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19.11.2014

Prof. Dr. Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen, im Interview

Neuartige und unkonventionelle Geschäftsideen

IHK-Campus-Startup sprach mit Prof. Dr. Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen, über Ausgründungen und deren Bedeutung für die Wissenschaft.

Prof. Dr. Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen, fördert junge Unternehmen.

 

IHK-Campus-Startup: Die Eberhard Karls Universität Tübingen engagiert sich schon seit langer Zeit für Gründungen. Warum sind Ihnen Gründungen aus der Universität und der Wissenschaft wichtig?

Engler: Gründungen sind der Mechanismus, über den die Universität der Gesellschaft Forschungsergebnisse zur Verfügung stellt, die direkt anwendbar sind. In Einklang mit ihrem Zukunftskonzept leistet die Universität Tübingen durch die Förderung und Unterstützung von „Innovatoren“ einen wesentlichen Beitrag, neue, zum Teil unkonventionelle Technologien nutzbar zu machen und dieses Know-how auch in der Region zu halten.

IHK-Campus-Startup: Welche Fakultäten sind besonders gründungsaktiv?

Engler:
Was den Bereich der technologieorientierten Unternehmensgründungen betrifft, liegt der Schwerpunkt stark auf der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen sowie der Medizinischen Fakultät. Vor allem Disziplinen wie „Physical Science“, Informatik, aber auch die Life Sciences – denken Sie hier an Biotechnologie und medizintechnische Anwendungen – bringen regelmäßig Ausgründungen hervor, die technisch orientiert sind und gewerbliche Schutzrechte aus der Universität nutzen. Doch auch in den geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen gibt es rege Aktivitäten; hier sind es oftmals junge Menschen, die noch während des Studiums neuartige und unkonventionelle Geschäftsideen verwirklichen. Unser Ziel ist es, auch und gerade in den nicht-technisch orientierten Fakultäten eine Kultur der „entrepreneurial education“ zu verwirklichen, die unsere Studierenden von Anfang an mit unternehmerischem Denken vertraut macht. Entwickeln sich dann im Lauf des Studiums neue, wettbewerbsfähige Ideen, sollen diese Menschen den Gedanken an Unternehmensgründung und Selbstständigkeit als „vertraute Option“ wahrnehmen.

IHK-Campus-Startup: Welche Effekte hat eine florierende Ausgründungs-Kultur für den wissenschaftlichen Betrieb einer Universität?

Engler:
Eine gut funktionierende Ausgründungskultur hat starke positive Auswirkungen, denn sie ermöglicht unseren Wissenschaftlern, ihre Erkenntnisse möglichst niederschwellig in nutzbringende Anwendungen zu übersetzen. Wissenschaft spielt sich in der heutigen Zeit nicht im berühmten Elfenbeinturm ab, sondern strebt danach, der Gesellschaft anwendbares Wissen zur Verfügung zu stellen, das letztendlich dazu dient, unser aller Leben nachhaltig zu verbessern.

IHK-Campus-Startup: Wie wichtig ist der Rückhalt aus der Universitätsleitung?

Engler: Eine wichtige Funktion der Universitätsleitung sehe ich hier auf zwei Ebenen: Zum einen ist es vor allem der ideelle Rückhalt, der eine funktionierende Gründungskultur erst ermöglicht und Forscher ermutigt, diesen Schritt zu gehen. Gründungen sind ein Vehikel des Technologietransfers, um Innovationen in die Praxis zu bringen. Im Übrigen ist Technologietransfer nicht nur eine gesetzliche Aufgabe der Universitäten, sondern ausdrücklicher Bestandteil des Zukunftskonzepts, mit dem sich die Universität Tübingen erfolgreich um den Exzellenzstatus beworben hat. Zum anderen ist die Unterstützung der Universität essentiell, was die Beantragung von Fördermitteln im Gründungsprozess anbetrifft, ebenso wie die Beratung und das Coaching der Gründer auf dem Campus. Die professionelle Unterstützung der Gründer durch die Universität und IHK-Campus-Startup erhöht die Erfolgsrate der neuen Unternehmen.