10.11.2014

Interview mit Guy Selbherr

Am Anfang die Idee

Campus-Startup sprach mit mit Guy Selbherr, Geschäftsführer der MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg, über Beteiligungen, High-Tech und die verschiedenen Branchen.

Guy Selbherr, Geschäftsführer der MBG.

Campus-Startup: Herr Selbherr, die MBG hat aktuell einen neuen Rekord bei stillen und offenen Beteiligungen an innovativen Unternehmen gemeldet. Gibt es wieder mehr High-Tech-Gründungen in Baden-Württemberg?

Selbherr: Sie haben recht, die Innovationsabteilung der MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg hat zwischen Januar und Oktober 2012 bereits 24 Unternehmen mit stillen und offenen Beteiligungen bei der Finanzierung ihrer innovativen Vorhaben unterstützt. Das ist ein Plus von fast zehn Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das große Interesse junger und innovationsfreudiger Unternehmen an einer Finanzierung ihrer Vorhaben mit der MBG freut uns! Grundsätzlich gibt es aber sicher noch weiteres Potenzial für Hightech-Gründungen im Land. Deshalb informieren wir über unsere Finanzierungsmöglichkeiten und machen unsere Ergebnisse sichtbar. Aber wir sind auch darauf angewiesen, dass uns dabei unser Netzwerk aus Kreditinstituten, Kammern, Verbänden und Beratungsstellen an Hochschulen unterstützt.

Campus-Startup: Reicht das?

Selbherr: Nein, natürlich nicht. Wir müssen eine Stufe früher ansetzen. Für Ingenieure und Wissenschaftler sollte auch eine Neugründung oder ein Spin-Off überlegenswert sein. Doch die Sogwirkung der Industrie ist in Baden-Württemberg enorm, was der Realisierung einer guten Idee dann häufig im Weg steht. Mit der Einführung des Seedfonds BW hat sich die Finanzierung junger Hightech-Vorhaben erheblich belebt. Daran lässt sich erkennen: Die Nachfrageseite ist das Eine, aber es muss auch ein geeignetes Angebot von Finanzierungsinstrumenten geben. Auch aus dem Risikokapitalfonds unterstützen wir junge und innovative Unternehmen, für die es nur wenige Finanzierungsalternativen gibt. Zudem arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der MBG eng mit dem Hightech-Gründerfonds, anderen VC-Gesellschaften sowie Business-Angels zusammen. Zusammen mit diesen Netzwerkpartnern konnten wir uns in den letzten Jahren auch stärker in diesem Bereich positionieren. Deshalb wird die MBG verstärkt als weiterer Baustein in Finanzierungen eingebunden.

Campus-Startup: MBG und Bürgschaftsbank werden oft in einem Atemzug genannt. Erklären Sie uns den Unterschied?

Selbherr: Häufig nutzen Unternehmen beide Finanzierungsinstrumente, daher werden MBG und Bürgschaftsbank häufig in einem Atemzug genannt. Rechtlich sind die MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg und die Bürgschaftsbank zwei getrennte Unternehmen. Mit Beteiligungen lassen sich vor allem Wachstumsprojekte beziehungsweise technische Neuentwicklungen finanzieren, denen am Anfang vielleicht nur geringe oder noch keine Umsätze gegenüberstehen. Eine Kreditfinanzierung ist für solche Projekte weniger geeignet. Ein weiterer Vorteil: Stille Beteiligungen zählen zum wirtschaftlichen Eigenkapital, offene Beteiligungen sind echtes Eigenkapital. Das bedeutet: Trotz externer Finanzierung wird die Eigenkapitalquote eines Unternehmens nicht geschwächt. Diese das wirtschaftliche Eigenkapital stärkenden Eigenschaften wirken sich positiv aus, wenn ein Unternehmen beispielsweise zusätzlich noch einen Haus- oder Förderbankkredit braucht. Denn eine gute Eigenkapitalquote sorgt für attraktive Kreditzinsen. Bürgschaften hingegen sind Sicherheiten für einen Hausbank- oder einen Förderbankkredit, wenn Sicherheiten fehlen. Im Fall der Bürgschaften kommen die Unternehmen nicht direkt auf uns zu. Vielmehr bindet die Hausbank die Bürgschaftsbank in eine Finanzierung ein. Davon können auch Technologieunternehmen profitieren, wenn beispielsweise die erste Auftragsfinanzierung ansteht und wir über Bürgschaften einspringen können.

Campus-Startup: Sie finanzieren Gründungen und etablierte Unternehmen, unter anderem auch aus dem High-Tech-Bereich. Was macht ein gutes High-Tech-Unternehmen aus?

Selbherr: Die Umsetzung einer Innovationen ist für jedes Unternehmen eine Herausforderung. Die Unternehmen setzen auf einen zukunftsträchtigen Wachstumsmarkt oder sie belegen eine interessante Nische. Wichtig für ein Hightech-Unternehmen ist, dass es in einem attraktiven Marktumfeld mit sehr gutem Wachstumspotenzial tätig ist. Für uns als MBG ist diese Dynamik auch wichtig, doch sehen wir auch in einem moderaten Wachstum gute Ansätze. Zum einen stehen wir und damit das Unternehmen nicht unter Exitdruck, zum anderen geht es ja um nachhaltige Markterfolge und darum, dass Unternehmen Arbeitsplätze schaffen können.

Campus-Startup: Haben Sie einen Branchenfokus?

Selbherr: Wir arbeiten finanzieren seit jeher die unterschiedlichsten Branchen. Über Jahre hinweg haben Maschinen-, Werkzeug- und Anlagenbau sowie Verfahrenstechnik die Wirtschaft des Landes geprägt. In den letzten Jahren investieren wir verstärkt in Unternehmen aus der Informationstechnologie und Softwareentwicklung sowie der Medizintechnik und Biotechnologie.

Campus-Startup: Viele Gründerinnen und Gründer denken bei Beteiligungen zuerst an Business-Angels und Venture-Capital. Was sind die Vorteile, wenn sich die MBG als öffentlich geförderte Beteiligungsgesellschaft an Unternehmen beteiligt?

Selbherr: Die MBG kann sowohl offene als auch stille Beteiligungen eingehen. In der frühen Phase eines Unternehmens, wenn Anfangsverluste entstehen, kann sie mit einer offenen Beteiligung ergänzend zu den anderen Kapitalgebern ein wichtiger Baustein sein. Aber das hängt eben vom Geschäftsmodell ab. Will ein Unternehmen keine weiteren Geschäftsanteile abgeben, eignet sich eine stille Beteiligung als Finanzierungsbaustein. In diesem Fall sind wir ein neutraler Partner für die Unternehmen. Wir mischen uns nicht ins Tagesgeschäft ein und wir sind an einem langfristigen Engagement interessiert. Und unsere Beteiligungen wirken sich positiv auf das wirtschaftliche Eigenkapital der Unternehmen aus, was zu einem besseren Rating und damit zu niedrigeren Kreditzinsen führt. Oft ist es ja ganz gut, die Unternehmen selbst zu fragen, was sie über die MBG denken: Ein Geschäftsführer hat mir vor kurzem gesagt, dass er froh ist, dass er sich für die Finanzierung mit der MBG entschieden hat, weil wir lediglich regelmäßige Reportings fordern, er sich aber sonst um seine Kernaufgaben als Unternehmer kümmern kann.

Campus-Startup: Ihr Institut steht bundesweit an der Spitze. Was macht Sie so erfolgreich?

Selbherr: Baden-Württemberg hat kaum Rohstoffe, dafür aber großartige Unternehmer. Das ist natürlich das wichtigste. Was uns ebenfalls erfolgreich macht, ist unser Netzwerk. Wir arbeiten vertrauensvoll mit Banken und Sparkassen zusammen, mit anderen Venture-Capital Gesellschaften und können den Unternehmen nicht nur ein guter Partner sein was die Finanzierung angeht, sondern ihnen auch Fachleute für bestimmte Themen empfehlen.

Campus-Startup: Zum Abschluss: Was macht junge Gründerinnen und Gründer mit innovativen Ideen zu erfolgreichen Startups?

Selbherr: Tja, das ist natürlich die Gretchenfrage. Oft gibt es am Anfang einer Hightech-Entwicklung keine Zahlen, sondern lediglich eine Idee und Gründerinnen und Gründer. Deren Werdegang, ihre fachliche Ausbildung, vielleicht auch schon die ein oder andere Berufserfahrung und ihre Persönlichkeit, das ist das, was zählt. Und natürlich ein vielversprechendes Geschäftskonzept, zusammengefasst in einem aussagekräftigen Businessplan. Denn wer seine Idee gut erklären kann, der wird sich auch bei der Vermarktung seiner neuen Produkte leichter tun. Das sind aus unserer Erfahrung die wichtigsten Grundlagen für späteren Erfolg.