10.11.2014

Dieter Manz, Geschäftsführer der Manz AG, im Interview

Die Dynamik eines Startups erhalten

Er ist der Vorzeige-Gründer in der Region: 1987 gründete er sein Unternehmen in Reutlingen, heute ist die Manz AG ein Weltkonzern und an der Börse notiert. Weil Dieter Manz die Lage von Existenzgründern kennt, unterstützt er sie, zum Beispiel beim Gipfeltreffen Neckar-Alb. Wir haben Manz nach seinen Erfahrungen damals und heute gefragt.

Dieter Manz, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Manz AG.

Campus-Startup: Herr Manz, Sie haben Ende der 80er Jahre ein Automationssystem für die Verarbeitung kristalliner Solarzellen entwickelt. Was war damals die technische Herausforderung?

Manz: Damals waren Roboter noch extrem teuer und langsam. Eine wirtschaftliche Lösung für die Automatisierung musste daher sehr gut durchdacht werden. Das war ja aber genau unser Geschäft damals: der effiziente Einsatz von Industrierobotern für die Handhabung sehr empfindlicher Produkte.

Campus-Startup: Für viele Gründer ein Traum: nach nur 20 Jahren den IPO an der Frankfurter Wertpapierbörse zu schaffen. Was war die größte Herausforderung auf dem Weg zum Großunternehmen und was ändert sich, wenn ein junges Unternehmen so rasant wächst?

Manz: Neben den vielen technologischen Herausforderungen waren die Haupthemen bei der Entwicklung des Unternehmens die Verfügbarkeit von qualifizierten Mitarbeitern und natürlich die Finanzierung. Die Chance zum IPO im Jahr 2006 haben wir daher gerne ergriffen und trotz auf und ab an der Börse bisher nicht bereut. Als Unternehmen mit heute rund 2000 Mitarbeitern weltweit hat sich natürlich sehr viel geändert. Die Prozesse und Abläufe werden professioneller, aber auch mehr standardisiert und damit leider auch träger. Die Schnelligkeit und Dynamik des jungen Start-up Unternehmens trotz unserer Größe zu behalten, das ist eine meiner täglichen Herausforderungen.

Campus-Startup: Gründer mit innovativen Technologien müssen oft hart arbeiten, um das erste Produkt in den Markt zu bekommen. Aber eigentlich müssten sie sich schon weitere Gedanken um die Produkte der Zukunft machen. Wie erhält man als Gründer die Inspiration für die strategische Zukunftsausrichtung seiner Produkte, Leistungen und seines Unternehmens?

Manz: Durch ständigen Kontakt mit den Kunden - denn die wissen am Ende am Besten was sie heute und in Zukunft brauchen. Daher ist es noch heute für mich extrem wichtig, regelmäßig bei unseren Kunden vor Ort zu sein.Uns hat auch ein standardisierter Planungsprozess geholfen, in dem wir uns selbst dazu zwingen, immer wieder über das nachzudenken, was wir machen und was unsere Kunden wirklich brauchen. Alle Führungskräfte des Unternehmens treffen sich 2 mal im Jahr um unsere Ziele neu zu justieren.

Campus-Startup: Noch eine persönliche Frage: Worüber schmunzeln Sie heute, wenn Sie an Ihre Gründerzeit denken?

Manz: An den Besuch bei einem meiner ersten Kunden. Der Einkäufer, ein älterer Herr begrüßte mich mit den Worten: "noch so jung und schon so ein schönes Geschäft".

Campus-Startup: Zum Abschluss: Ihr Tipp für junge Gründerinnen und Gründer mit innovativen Technologien?

Manz: Mit einem Tipp wird's wohl nicht getan sein. Daher gleich drei, die mir besonders wichtig erscheinen. 1. Fest an die Idee und die Zukunft des eigenen Unternehmens zu glauben und hart dafür arbeiten. 2. Jederzeit bereit zu sein, das Produkt zu ändern, auch wenn man selbst es noch so toll findet, wenn der Markt es verlangt. 3. Einen guten Draht zu den Bankern aufbauen und sorgsam pflegen.