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04.11.2014

Thomas Dephoff, Geschäftsführer des TTR, im Interview

"Nicht nur Räume, auch Dienstleistungen"

Thomas Dephoff, Geschäftsführer des TTR, im Interview IHK-Campus-Starup sprach mit Thomas Dephoff, Geschäftsführer des TTR, über Bedürfnisse von Startups, Tipps für junge Unternehmen und die Besonderheiten des Technologieparks Tübingen-Reutlingen.

IHK-Campus-Startup: Sie sind Geschäftsführer der TTR GmbH und damit Chef des Technologieparks Tübingen-Reutlingen. Was genau ist eigentlich ein Technologiepark?

Dephoff: Ganz einfach gesagt: Ein Technologiepark bietet Räume für technologieorientierte Startups. Technologieparks gibt es in Deutschland seit den späten 80 er Jahren. Die TTR ist ein vergleichsweise junger Park der L-Bank, sozusagen ein "Spätstarter".

IHK-Campus-Startup: Und was hat die L-Bank damit zu tun?

Dephoff: Die TTR GmbH ist eine von vier Technologieparks in Baden-Württemberg und eine Tochter der L-Bank. Wir wollen mit den Parks Infrastruktur bereitstellen und Arbeitsbedingungen schaffen, damit aus der Forschung schneller wirtschaftliche Anwendungen möglich werden.

IHK-Campus-Startup: Was bekommen die Startups bei Ihnen?

Dephoff: Was immer sie brauchen! Nach unserer Philosophie gehört nicht nur das eigentliche Raumangebot, sondern auch eine gute Portion Dienstleistung in einen Park. Somit bieten wir Kita, Kantine, Vorträge aber auch kulturelle Veranstaltungen. Und das zieht nicht nur klassische Startups aus der Uni oder der Max-Planck-Gesellschaft an, sondern auch Startups von Bosch oder Siemens. Wenn Sie so wollen, gibt es bei uns Raum mit Gründergeist.

IHK-Campus-Startup: Bosch ist bei Ihnen Mieter?

Dephoff: Ja, das wundert manche, aber neue Produktideen aus bestehenden Konzernen haben die gleiche Innovationskraft wie klassische Gründer. Und sie brauchen oft auch die gleichen Bedingungen wie klassische Startups. Auch ein Konzerrn wie Bosch schätzt die Möglichkeit neue Ideen in einem frischen Umfeld heranwachsen zu lassen. Und auch im Konzern gibt es für diese neuen Einheiten keine Bestandsgarantie mehr. Die Ähnlichkeiten und Risiken sind also mit klassischen Startups vergleichbar.

IHK-Campus-Startup: Wieviele Unternehmen sind derzeit im TTR?

Dephoff: Mittlerweile mehr als 50 Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Aber die Schwerpunkte liegen in der Biotechnologie, der Sensorik und Nanotechnologie. Neben den reinen High-Tech-Startups haben wir mittlerweile auch vor- und nachgelagerte Dienstleister als Mieter. Da sieht man ganz deutlich, dass die Technologieunternehmen nicht nur Arbeitsplätze schaffen sondern auch in den vor- und nachgelagerten Bereichen für Ansiedlungen und Wertschöpfung sorgen.

IHK-Campus-Startup: Und die 50 Firmen beschäftigen insgesamt wieviele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Dephoff: Rund 1.400 an beiden Standorten zusammen.

IHK-Campus-Startup: Sie haben lange Jahre den Technologiepark Adlershof geleitet und aufgebaut. Berlin gilt als die Startup-Hochburg schlechthin. Was läuft dort anders als bei uns?

Dephoff: Fakt ist, dass es in Berlin deutlich mehr öffentliche Fördermittel gibt. Auch die Budgets für Öffentlichkeitsarbeit sind in Berlin deutlich höher und die „Berliner Schnauze“ ist auch nicht zu unterschätzen. Die hiesige schwäbische Zurückhaltung „net geschumpfe is gnug gelobt“ lässt da schnell ein verzerrtes Bild entstehen. Wir sind im Vergleich deutlich besser, als viele und manchmal auch wir selbst glauben.

IHK-Campus-Startup: Was konnten Sie aus Berlin mitnehmen?

Dephoff: Unglaublich viel Wissen und Erfahrung. Aus heutiger Sicht, alle Aspekte, die zum Aufbau eines modernen Technologieparks gehören. Neben den vielen betriebswirtschaftlichen und organisatorischen Dingen vor allem das Wissen für die Entwicklung von speziellen Laborgebäuden. Denn Laborgebäude, die von mehreren Unternehmen mit unterschiedlichen Schwerpunkten genutzt werden, gab es zuvor noch nicht.

IHK-Campus-Startup: Und was ist an den Labors dann das Besondere?

Dephoff: Da muss ich ausholen: Bis in den 80er Jahren hatten nur Konzerne, Universitäten und Forschungsinstitute Laboreinheiten für spezielle Anwendungen. Änderten sich Forschungsinhalte wurden die Gebäude oft großflächig umgebaut mit entsprechenden Stillstandszeiten. In unserem Gebäude muss jedes Unternehmen seine spezielle Forschungs- und Entwicklungsarbeit durchführen können ohne die Nachbarunternehmen zu beeinträchtigen. Das heißt, wir müssen dafür sorge tragen, das das Ver- und Entsorgungssystem so organisiert ist, dass sich die verschiedenen Arbeitsinhalte nicht im Wege stehen oder gar beeinträchtigen. Und dann müssen am Ende noch so triviale Dinge wie die Abrechnung der Nebenkosten für verschiedenste Medien nachvollziehbar und gerecht organisiert sein.

IHK-Campus-Startup: Also quasi viele eigenständige Labore in einer Hülle?

Dephoff: Genau, mit einem Gesamtkonzept über alle notwendigen Einrichtungen und der individuellen Arbeitsfreiheit der einzelnen Unternehmen.

IHK-Campus-Startup: Ihr Tipp für Gründerinnen, Gründer und junge Unternehmen?

Dephoff: Monty Python: "Always look on the bright side of life...", denn fast jede Gründung dauert länger und ist schwieriger als anfangs gedacht. Da hilft es ungemein eher als hartnäckiger Optimist durchs Leben zu laufen.