sense2care - Das Labor am Arm

Das Labor am Arm von sense2careFoto: PR

„Die Idee ist schon älter, aber erst jetzt ist sie technologisch umsetzbar“, sagt Dr. Andreas Scheipers von der Reutlinger sense2care GmbH. Über zehn Jahre sind die ersten Überlegungen alt, doch erst am Jahresende 2008, in gemütlicher Runde vor Scheipers‘ Kamin entstand der Entschluss zur Unternehmensgründung. Die anderen Teilnehmer der Runde: Prof. Dr. Martin Brinkmann, Rainer Feldbrügge und Michael Borchardt. Ihre Idee: ein Blutgasanalyse-System (BGA-System) direkt am Patienten.

Diese Analysen werden in Krankenhäusern an kritisch kranken Patienten durchgeführt, etwa auf Intensivstationen oder während Operationen. Der derzeitige Standard ist, dass den Patienten das Blut mit einer Spritze abgenommen, in ein Labor gebracht und dort untersucht wird. Wenn die Person in einem kritischen Zustand ist, kann dabei wertvolle Zeit verloren gehen. Außerdem besteht bei diesem Vorgehen für die Patienten wie auch für das Klinik- und Laborpersonal die Gefahr einer Ansteckung.

Das System von sense2care soll das überflüssig machen. Ihr Produkt ist ein Labor am Arm, das an bestehende Schlauchsysteme angeschlossen wird und innerhalb einer Minute ein Ergebnis bringt – wenn nötig, alle fünf Minuten. Das ermöglicht eine quasi-kontinuierliche Überwachung. Dafür wird dem Patienten eine Manschette angelegt, an der ein Mess-Modul mit Sensorik befestigt ist. Auf einem angeschlossenen Monitor werden dann die Ergebnisse angezeigt. Ein weiterer Nutzen für den Patienten: Ihm wird nur noch ein Zehntel der Blutmenge abgenommen, die er bislang abgeben muss.

Da dieses Produkt in sehr sensiblen Bereichen eingesetzt werden soll, bedarf es einer strengen Zertifizierung. Für dieses CE-Zertifikat werden Aspekte wie die elektrische Sicherheit und das Risiko für Patient und Anwender überprüft. Insgesamt sind es etwa zwei Dutzend Normen, die sense2care zu erfüllen hat.

Dies ist einer der Gründe, warum der Markteintritt für Medizinprodukte wie dieses so viel Vorlauf braucht. 2010 wurde das Unternehmen gegründet, 2012 soll der erste Prototyp fertig werden, mit dem Scheipers neue Investoren locken will. Erst 2015 soll das BGA-System auf den Markt kommen. „Wer wird uns die dafür notwendigen Mengen an Kapital zur Verfügung stellen?“, war deshalb eine der wichtigsten Fragen, die die vier beantworten mussten. Doch sense2care hat bereits Investoren gefunden, besonders wichtig war das Engagement des High-Tech-Gründerfonds, das neben dem finanziellen Einstieg auch ein Coaching beinhaltete.

Wer nun glaubt, das Gründerteam von sense2care müsse aus Medizinern bestehen, sieht sich getäuscht. Zwei Ingenieure und zwei Physiker sind es, zumindest hat Martin Brinkmann auch Tiermedizin studiert. „Man muss aber die Denkweise der Mediziner kennen und verstehen“, sagt Scheipers. Die Medizin sei inzwischen in vielen Bereichen sehr technisch, und in dieser technischen Forschung und Entwicklung waren Scheipers und seine Mitstreiter tätig. So sind Feldbrügge und Borchardt die Spezialisten für die Sensorik, Brinkmann hat Erfahrung in internationaler Vermarktung und Scheipers leitet das Unternehmen und kümmert sich um das Zubehör. „Unsere Kompetenzen sind komplementär“, sagt Scheipers. Alle notwendigen Bereiche können sie aber nicht abdecken: Besonders bei juristischen Fragen sind sie auf externe Unterstützung angewiesen.

Das BGA-System von sense2care ist weltweit einmalig – doch die Unternehmensziele hören sich angesichts dessen recht bescheiden an. Das Schlauchsystem, an dem ihr Gerät angeschlossen werden soll, wird derzeit pro Jahr in Europa fünf Millionen Mal verwendet. Fünf Jahre nach Markteintritt sollen fünf Prozent dieses Marktes erobert sein. Ein Massenprodukt herzustellen ist für die vier trotzdem keine Alternative. „Wenn man in der Medizintechnik Fuß fassen will, muss man einen Nischenmarkt erobern“, sagt Scheipers. Und da ist die sense2care GmbH auf einem guten Weg.