PapierPilz - Gebt uns euren Müll!

Eine Sammelbox für Altpapier von PapierPilz in einem Kopierzentrum der Universität Tübingen.Foto: PR

Altpapier kommt in die Tonne? „Falsch! Man nutzt es als Schmierpapier“, sagt das Team von PapierPilz. Das kann man aufeinanderstapeln oder, um es schön aufgeräumt und platzsparend zu haben, zu einem Block binden. Gesagt, getan.

Als der Tübinger Mathematik-Student Klaus Oehler im letzten Jahr auf Prüfungen lernte, verbrauchte er jede Menge Papier für Lösungswege und begann den Papierverbrauch zu organisieren. „Angesichts des massiven Papiermülls an der Uni, eine Idee mit Zukunft“, findet Mitgründer Philipp Beuchel. Unter der Firmierung „PapierPilz“ sammeln Beuchel, Oehler und dessen Frau Gökçe seither alles, was im universitären Umfeld von Papier so anfällt: Kopien, Kalender, Umschläge, Tüten bis hin zu Pizzakartons. Die verarbeiten sie selbst zu einseitig bedruckten Schreibblöcken. Gegenüber einem neuen Block spart die „Marke Eigenbau“ 673 Gramm Holz, 11,7 Liter Wasser und 2,4 Kilowattstunden Strom, je Block.

Wie die Pilze im Wald will man für Gleichgewicht sorgen. Klingt nach Weltverbessern. Kommt aber nicht belehrend, sondern clever und charmant daher. Genau wie ihre Präsenz im Web oder der Informationsstand auf Messen. Das blieb auch den Medien nicht verborgen. So interessierte sich schon der SWR für die innovative umweltbewusste Gründungsidee. Ob sich das Konzept langfristig trägt, ist vor allem eine Frage der Fangemeinde, denn die Produktion finanziert sich durch Spenden aller Art. Die Stadtwerke sind Sponsor, über Crowdfunding gibt es Unterstützung von der Netzgemeinde und Gründerwettbewerbe bringen auch den ein oder anderen Preis ein. Über den Preis für ihren Block lässt PapierPilz die Konsumenten allerdings selbst entscheiden. Auch das ist ein besonderer Punkt bei PapierPilz. „Das hat sich bewährt. Einige geben ein oder zwei Euro, andere finden die Idee toll und honorieren das mit fünf oder mehr Euro“, sagt Beuchel, „bislang entschädigt die Nachfrage unseren Arbeitsaufwand“.

Aber ist das überhaupt ein Geschäft oder eher ein gemeinnütziges Engagement? „Dass wir eindeutig gemeinnützige Absichten haben“, sagt Beuchel, „schließt nicht aus, dass wir wirtschaftlich handeln“. Rechtlich gesehen ist PapierPilz ein Verein. Vor allem, weil es zunächst eine günstige Lösung ist. Beuchel: „Wir machen das alles ja neben dem Studium. Und aus einer GmbH wird seltener ein Verein als umgekehrt“. Dass aus der Initiative ein Beruf wird, kann sich das Team aber durchaus vorstellen. Bis dahin soll das Konzept weiter optimiert werden. So plant man eine Kooperation mit einer Behindertenwerkstatt, um die Produktion zu erweitern, und will verstärkt in die Läden mit dem Produkt. Einige größere Aufträge gab es bereits. Es dürfen noch weitere folgen.