Institut für Waldarbeit - Hier fliegen die Fetzen

Hält die Schnittschutzhose oder hält sie nicht? Das ist die große Frage beim Institut für Waldarbeit.Foto: PR

Wenn die Fetzen fliegen, gibt es meistens Zoff. Für Prof. Dr. Dirk Wolff hat die Redewendung aber eine ganz andere, eine berufliche Bedeutung. Immer wenn sich an seinem Prüfstand die Kette einer Motorsäge in eine Schnittschutzhose versenkt und die Fetzen tatsächlich mehr oder weniger fliegen, zeigt sich, ob die Hose hält, was sie verspricht.

Das ist das täglich Brot von Wolff: Mit seiner noch jungen Firma prüft er im Auftrag der Hersteller die Qualität von Schnittschutzhosen und Einlagen nach einem normierten Verfahren. Ein wertvoller Beitrag für die Arbeitssicherheit von Waldarbeitern, Landwirten, Privatwaldbesitzern oder Feuerwehrleuten, die beruflich oder privat mit Motorsägen und umgehen.

Wie kommt man auf eine so zerstörerische Geschäftsidee? Die Antwort lautet: über die Forschung. Dr. Dirk Wolff ist Professor an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg. „Arbeitssicherheit und die Qualität von Schnittschutzhosen standen auf der Tagesordnung an unserer Hochschule. Irgendwann habe ich mit Studenten und Maschinenbau-Ingenieuren einen Prüfstand gebaut, an dem wir Hosen dem Praxistest unterziehen können. Daimler Benz hat uns noch eine Hochgeschwindigkeitskamera zur Verfügung gestellt, mit der wir zusätzlich die Vorgänge während des Schnittes im Nachgang analysieren können.

"Nach den ersten Forschungsarbeiten war die Firmengründung fast ein Selbstläufer. Gut, nicht ganz. Der gelernte, studierte und promovierte Forstwirt ist äußerst umtriebig und das, was man als vertriebsorientiert bezeichnet. Er leitete schon damals Motorsägenkurse und arbeitete mit der Feuerwehr Frankfurt an einer neuen Motorsägenausbildung. Durch seine Kontakte zu Herstellern von Schnittschutzhosen kam ihm die Idee, ein Unternehmen zu gründen, um diesen seinen Qualitätstest anbieten zu können. Ohne eigene Firma wäre das nicht möglich gewesen: Zwar konnte er in der Hochschule forschen aber die Annahme von erwerbswirtschaftlichen Dienstleistungsaufträgen aus der Privatwirtschaft ist rechtlich schwierig. Dagegen standen jede Menge Einzelanfragen. So gründete Dirk Wolff 2010 die „Institut für Waldarbeit GmbH". „Die Hersteller von Schnittschutzhosen hatten von den Forschungen an der Hochschule Wind bekommen und waren natürlich an den Ergebnissen interessiert. Neben dem Qualitätsaspekt im Neuzustand war für die Kunden vor allem die Alterungsbeständigkeit der Hosen interessant, die durch Arbeitseinsätze und Waschvorgänge beeinflusst wird. Das war ein neuer Qualitätsaspekt, den wir in unsere Forschung einbezogen", so Wolff.

„Wir konnten sogar einen Kunden gewinnen, der schon während seiner Produktentwicklung von uns prüfen lässt", beschreibt Wolff seinen jüngst erzielten Erfolg. Die Kombination aus exakt definiertem Schnittschutzstand, genormtem Prüfverfahren und schließlich der Dokumentation durch die Hochgeschwindigkeitskamera haben seine Firma zu einem ernst zu nehmenden Wettbewerber am Markt werden lassen. Wolff blickt optimistisch in die Zukunft: Als nächstes will er den Prüfstand als offizielle, EU-weit anerkannte Prüfstelle anmelden – eine Herausforderung, vor allem da es um Investitionen geht, mit denen man einen Kleinwagen kaufen könnte. Aber es wird sich lohnen: Dadurch kann er weitere Kunden gewinnen und dann mit ersten Mitarbeitern in Vollzeit auf Wachstumskurs gehen.