AmbiGate GmbH mit e-Reha: Rückenschule für zu Hause

Das Team der AmbiGate GmbH: Christian Frede, Caroline Jannasch und Stephan Dabels (v.l.n.r.). Foto: PR

Wer schon einmal in der Physiotherapie war, weiß, wie es läuft: Vor Ort klappen die Übungen wunderbar, zu Hause fragt man sich dann schnell: Wie war das noch mal? AmbiGate sorgt mit dem System e-Reha dafür, dass die Übungen auch daheim richtig ausgeführt werden und verhindert so falsche Bewegungsabläufe.

Um e-Reha einzusetzen, bekommt der Patient eine Software und eine 3D-Sensor, den er an einen Computer oder eine Spielekonsole mit TV anschließt. Der eigene Therapeut schaltet von seiner Praxis aus passende Übungen frei und kann den Trainingsverlauf je nach Fortschritt über das Internet anpassen. Dies ist ihm mittels biometrischer Parameter möglich, die das System je nach Krankheit generiert. Der Patient wiederum muss sich keinen Übungen merken und erhält vom System sofort eine Rückmeldung, wenn er eine Übung falsch macht. Damit das Training auch Spaß macht, steckt dahinter zusätzlich ein Spiel, dessen Levels durch Trainingserfolge freigeschaltet werden. Geplant ist auch ein Zugang für Privatpersonen, die bisher noch keine körperlichen Beschwerden hatten, ihren Körper aber trainieren möchten. Sie erhalten die abgespeckte Version, ohne den "Personal Physio für zu Hause".

Hinter e-Reha steckt ein junges Gründerteam: Caroline Jannasch, Stephan Dabels und Christian Frede sowie ein interdisziplinäres Team mit mehreren Professoren. Gemeinsam haben sie schon einige wichtige Hürden genommen. Zu Beginn galt es, Ratgeber zu begeistern. Sie brauchten vor allem den fachlichen Input durch Physiotherapeuten und medizinische Professoren. Ebenfalls wichtig war ein Mentor, der das Projekt unterstützte. Kaum war dieser gefunden, boten jede Menge Experten ihre Unterstützung an. Trotzdem war der Start nicht einfach: Die Jungunternehmer finanzierten ihren Lebensunterhalt teilweise noch mit Nebenjobs. Die Wende kam im vergangenen April. AmbiGate erhielt das Exist-Stipendium und damit monatliche Gelder, Sachmittel und die Möglichkeit, Räume und Infrastruktur der Universität Tübingen zu nutzen. Und das Beste: Nun können sich alle drei Gründer rund um die Uhr ihrem großen Traum widmen und wurden vor kurzem dafür mit dem IKT Innovativ Preis vom BMWi geehrt.

Noch sind die Leute von AmbiGate mitten in der Entwicklung. Sie fordert immer noch viel Zeit, ist ein Punkt abgehakt, kommen neue dazu. Nicht zuletzt, weil das Team immer mehr Ideen hat, die es noch verwirklichen möchte. "Vor allem die 3D-Welt raubte Zeit", so der Geschäftsführer Stephan Dabels. Doch mit jedem Tag kommt das Team der Fertigstellung ein Stückchen näher. Demnächst startet die so genannte Beta-Phase: Eine Patientin, die von dem Projekt erfahren hatte und bereits sehnsüchtig auf den Start wartet, wird zusammen mit anderen Interessenten e-Reha auf Herz und Nieren testen. Für alle verfügbar soll das System an sich im ersten Quartal 2016 sein, das große Spiel dahinter Mitte des Jahres. Am Anfang wird der Patient für das System einen geringen monatlichen Preis zahlen. "Umfragen belegen, dass die Zahlungsbereitschaft da ist", so Dabels. AmbiGate verhandelt aber schon mit den Krankenkassen, die dem System offen gegenüber stehen.

Interessant ist e-Reha auch für Unternehmen, die ihren Mitarbeitern eine betriebliche Gesundheitsvorsorge anbieten. Sie brauchen lediglich einen Raum, in denen ein Beamer und ein Sensor stehen. Je größer das Unternehmen, umso mehr Systeme braucht es, um den Bedarf zu decken. In einem Modellprojekt mit einem Automobilzulieferer erprobt AmbiGate derzeit die Praxis. Die Weichen für die Zukunft sind also gestellt.